Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte und Festessen. Nur die wenigsten von uns können sich dieser Tage über Mangelernährung und fehlende Gelegenheiten zum geselligen Umtrunk beschweren. Wer braucht da noch Gastro-Tipps? Antwort: All diejenigen, die genug Besinnlichkeit getankt haben, die vor der Verwandtschaft flüchten oder auch das neue Jahr gesellig begehen wollen. Bonner Altstadt, Teil 2: Der große Altstadt-Kneipen-Führer.
Reif für eine „(Kneipen-) Tour d’Altstadt“?
Wenn man den kratzigen Strickpulli von Tante Erna nicht mehr tragen mag und die weihnachtliche Wohnstube langsam klaustrophobische Ängste hervorruft, dann ist es Zeit für eine „Tour d’Altstadt“ mit guten Freunden. Dass dies nicht immer einfach ist, liegt zum einen an den vielen Kneipen, die nicht immer das halten, was sie von Außen versprechen. Zum anderen ist die Altstadt selbst für gebürtige Bonner oft ein Irrgarten. Mit diesem Artikel im Gepäck kann aber nichts mehr schief gehen! Auf geht’s zur „Kneipen-Tour de Altstadt“…
Bester Treffpunkt dafür: die U-Bahnhaltstelle Stadthaus. Bewegt man sich von dort aus rechts an dem grauen Behördenklotz vorbei (Breitestr.), steht man nach wenigen Metern vor der ersten schwerwiegenden Entscheidung: Lieber rechts der Breitestraße folgen oder geradeaus in die Maxstraße? Jetzt sollte man wissen, was einen auf der einen wie auf der anderen erwartet.
Die Breitestraße zur Rechten ist unschwer an dem leuchtenden Altstadt-Banner am Anfang zu erkennen. Auf ihr befinden sich eine Vielzahl von interessanten Antiquariaten, Bonns bekanntestes Tattoo-Studio „Tintenstich“ sowie jede Menge Bars, von denen ich nur diese erwähne, in die ich auch selbst gehe – oder gehen würde.
Folgt man der Breitestrasse ein Stück, stößt man nach etwa 100 Metern auf das Billa-Bonn zur linken und das gegenüberliegende Painless. Beide gehören denselben Besitzern und ergänzen sich gut. In beiden Bars darf geraucht werden und am Wochenende wird es gerne knackig voll. Die besten Chancen auf einen Barhocker hat man dann allerdings im Painless. Das Publikum ist in beiden Bars studentisch, aber spielt längst nicht mehr in der „Ersti-Liga“.
Im Billa-Bonn stehen einschlägige Pub-Biere sowie neben „Fosters“ auch einige australische Exoten aus der Flasche auf der Karte. Ideal um nochmal die Work-and-Travel-Zeit „Down-Under“ auf der Zunge zu schmecken. Musikalisch geht es klassisch rockig zu. Jeden Tag gibt es besondere Angebote, wie beispielsweise die „Pitcher Night“ freitags (1,5l Bier für 8 €), die „Shooters Night“ samstags (Kurze für 1 €) oder die „Bottle Night“ sonntags (jede 0,33l-Flasche für 1,80 €). Wer Lust hat zu spielen, kann Kickern, Darten oder Karten spielen. Wenn es dabei um eine Runde Bier geht, kostet das ausgespielte 0,2l-Bier nur 1,10 €. Wer Besitzer einer 4students-Card ist, spart zudem nochmal 20% auf alle Kartenpreise.
Das Painless ist etwas kleiner und lädt dazu ein bei rockig-irischer Folklore auf Barhockern an erhöhten Tischen Platz zu nehmen. Besonders erwähnenswert ist das sensationelle Fassbierangebot: 8 Fassbiere – von Groelsch bis Killkenny Irish Ale –warten darauf entdeckt zu werden. Wer mag, kann auch hier Karten oder das im Rheinland sehr beliebte Würfelspiel namens „Schocken“ spielen. Auch das Painless wartet mit besonderen Angeboten auf, die unter der Woche allerdings – je nach Gusto – wechseln. Nur ein Angebot steht immer: Freitags und samstags gibt es den Schnaps für 1 €.
Das Lichtblick liegt nur ein paar Meter weiter, Ecke Breitestr/Dorotheenstrasse. Die Einrichtung ist weder gemütlich, noch besonders ungemütlich: klare Kante mit etwas Farbe. Somit wirkt es eher wie ein Bistro. Man fühlt sich aber wohl. Nichtraucher jedoch nur bis 22 Uhr, danach darf auch hier „geschlotet“ werden. Am Wochenende wird Fußball in der Konferenzschaltung übertragen, dann kann es schon mal was voller werden. Ansonsten habe ich bis jetzt immer ein Plätzchen gefunden.
Leckeres mexikanisches Essen sowie mexikanische Biere und eine große Auswahl an Tequila gibt es im Maya, das ca. 120 Meter weiter auf der Breitestrasse Richtung Kölnstrasse zu finden ist. Es ist nicht zu übersehen, da es den vorbeigehenden mit roten Lichtakzenten anzulocken versucht. Im vorderen Bereich ist es auch dank den roten Wänden äußerst gemütlich. Durchschreitet man den roten Tunnel-Gang in den hinteren Bereich, betritt man einen großen Raum mit Theke. Hier findet man genug Platz, sei es an den Tischen oder in der Ecke auf den gemütlichen Sofas. Außer Montags, ist die Türe ab 19 Uhr offen.
Wählt man doch den Weg rechts am Stadthaus vorbei, geradeaus in die Maxstraße, so kann man zwischen folgenden sympathisch-empfehlenswerten Alternativen wählen: Die Zone und die Musiktruhe. Das dazwischen liegende „Stachel“ war einmal eine Kult-Kneipe, die in einem alten Kellergewölbe untergebracht ist. Dies kann ich jedoch nicht mehr reinen Gewissens empfehlen – es sei denn man fühlt sich umzingelt von Bier trinkenden Minderjährigen wohl.
Die Zone befindet sich nur einige Meter weiter auf der rechten Seite. Sie ist etwas Besonderes. Nicht wegen ihrem Namen, der nach konspirativen Treffen und Ostalgie anmutet. Vielmehr weil Sie genauso ist, wie eine kleine Blues-Kneipe in der City sein muss: düster, etwas angestaubt und verraucht. Der Chef ist ein Unikum, der seinen ganz eigenen – von manchen als ruppig empfundenen – Humor pflegt. Neben Blues aus der Konserve gibt es regelmäßig Live-Konzerte.
Die Musiktruhe nennt sich selbst „Bonns gemütlichste Altstadtkneipe“. Den Superlativ würde ich ihr nicht aufdrücken, aber „die Truhe“ ist schon ein Ort, der zum verweilen einlädt. Gespielt wird Rock und Blues von gestern und heute. Das Publikum ist noch etwas erwachsener als im Billa-Bonn und im Painless. 18 Meter Theke bieten genügend Platz, um sich für eine Bestellung optimal zu positionieren. Neben Flüssignahrung, können auch Döner, Pizza, Pasta und Salate bestellt werden, die im Restaurant „Weihers Eck“ nebenan zubereitet werden. Für die Spielkinder steht ein Billardtisch sowie ein Dart-Automat zur Verfügung. Wer spielen will, sollte das rechtzeitig vorher an der Theke bekanntgeben. Auf vier Fernsehern und einer Grossleinwand können hier zudem sportliche Ereignisse mit verfolgt werden.
Heer- und Vorgebirgsstraße
Geht man die Maxstraße weiter hinunter bis zu ihrem Ende kreuzt man unweigerlich irgendwann die Heerstrasse – die Verbindung von Bornheimer Str. und Kölnstraße. Geht man diese ca. 100 Meter rechts hoch kommt man auf der linken Seite zuerst am Pawlow (siehe Artikel „Auf einen Milchkaffee…ins Pawlow“), einige Meter weiter am Brauhaus Machold vorbei. Schlägt man die entgegengesetzte Richtung ein, die Heerstraße links Richtung Bornheimer Str., kommt man zur berühmt-berüchtigten „Wache“. Geradeaus in der Vorgebirgsstraße liegt das Nyx zur Linken.
Kommt man aus Richtung Breitestrasse, sollte man vom Maya aus wieder einige Schritte zurück in Richtung Stadthaus gehen und am San Telmo – einem hervorragenden Spanier – rechts in die Wolfsstraße einbiegen. Diese mündet ebenfalls in die Heerstraße, die man dann links hinunter gehen sollte. Die bereits erwähnten Lokale würde man dann in folgender Reihenfolge erreichen: Machhold (wenige Meter, rechte Seite), Pawlow (50m, rechte Seite), das Nyx (Vorgebirgsstr., dritte Str. rechts), die Wache (250m geradeaus, linke Seite).
Das Machold ist ein Brauhaus wie es im Buche steht. Der große Speisesaal versprüht Brauhallenatmosphäre, ist zur Weihnachtszeit festlich dekoriert und bietet unter anderem den Blick auf die großen Gärkessel. Für Freunde von Dunkel-Bier ist das Hausbier „Machold Dunkel“ zu empfehlen, das Helle ist aber auch durchaus bekömmlich und nicht mit Kölsch zu verwechseln. Es erinnert eher an Münchner Hofbräu. Das Essen ist selbstverständlich zünftig und auch ganz lecker. Der Kaiserschmarn offenbart jedoch den gelegentlichen Einsatz von Tiefkühlkost – was bei den nicht gerade günstigen Preisen etwas schade ist. Wer – wie in Kölner Brauhäusern – eine gewisse schroffe Herzlichkeit des Personals erwartet, wird ebenfalls enttäuscht. Der Service ist zwar flott und nett, aber distanziert-professionell. Dank dem „lecker Bierschen“ und der Atmosphäre an sich lohnt sich ein Abstecher aber allemal.
Eine Institution, die schon viele Studentengenerationen kommen und gehen sah. Siehe Artikel „Auf einen Milchkaffee…ins Pawlow“.
Wer pures studentisches Nachtleben genießen will ist hier genau richtig. Die Musik ist bunt gemischt – von funky bis punky –, aber einheitliche Chart-Soße wird einem nicht serviert. Im Nyx finden jedes Wochenende verschiedene (Motto-) Partys statt sowie regelmäßig Konzerte aller Art. Angst vor Körperkontakt sollte man nicht haben, da es hier gerne knüppelvoll wird – beste Chancen, um neue KommilitonInnenen kennenzulernen.
…ist der Fels in der Brandung. Sie fängt jeden auf, der einfach noch keine Lust hat nach Hause zu gehen. Sie ist täglich bis 5 Uhr geöffnet – am Wochenende und an Feiertagen auch gerne länger. Dementsprechend ist das Publikum ein bunter Mix aus Nachteulen verschiedenen Alters, jedoch meist mit Hang zum Alternativen. Ab 20 Uhr werden wichtige Sportveranstaltungen sowie Fußball zu den gewohnten Zeiten auf einer Leinwand sowie Flachbildfernsehern übertragen. Selbstverständlich wird es auch hier zu später/früher Stunde so wie so mancher Gast ist: rappelvoll. Die soulige oder punkige Musik sorgt aber für gute, aufgeweckte Stimmung.
Warme Worte zum Schluss
Gefahr sich zu verlaufen besteht jetzt nur noch aufgrund von geistiger Besinnungslosigkeit – die spätestens in der Wache erreicht sein könnte. Um dies zu vermeiden empfiehlt sich immer mal eine Cola-Pause einzulegen, ein „Käffchen“ zu trinken oder direkt ganz den anderen beim Trinken zuzusehen – was ja durchaus auch seinen Reiz haben kann. In jedem Falle ist hat man nach einem Abend in der Altstadt nette Leute kennengelernt, tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Und das ist doch auch wieder irgendwie besinnlich, oder?

