Nicht noch eine Castingshow!
Das dachten sich sicher viele Castingshow-geplagte als Ende letzten Jahres für das neue Format „The voice of Germany“ geworben wurde.
Seit nunmehr 10 Jahren geben sich Shows wie “”Deutschland sucht den Superstar”, “Popstars”, “Das Supertalent” oder “X-Factor” die Stimmgabel in die Hand, um dem Zuschauer mehr schlecht als recht einen neuen Superstar vorzusetzen.
Das Prinzip ist immer gleich: Casting, Recall, Re-Recall, Mottoshows, Liveshows und so weiter und so fort. Am Ende wird dann ein Sieger gekürt, der mit seiner Siegessingle die Charts stürmen soll, aber nach einigen Monaten ist der Spuk auch schon wieder vorbei und der strahlende neue Superstar verschwindet in der Versenkung.
Wie ist das zu erklären? Denn schließlich bestimmen meist die Zuschauer durch ein Telefonvoting, wen sie zum „Superstar“ machen wollen.
Während der Castingzeit werden die Kandidaten künstlich gehyped und bekommen die Aufmerksamkeit der Medien, die sie für ihre Publicity brauchen.
Ist die Show vorbei, ist auch das Interesse an den Talenten vorbei, ausgenommen Skandale oder Love stories á la Pietro und Sarah.
Es kommt der Verdacht auf, dass es in diesem Geschäft nicht darum geht junge und talentierte Künstler zu fordern und zu fördern und ihnen eine seriöse Plattform für ihre Musik zu liefern, sondern vielmehr darum Einschaltquoten zu bekommen und semiprofessionelle Musikproduktion zu betreiben, die letztendlich zum Leidwesen der Talente oder derer sie es gern sein wollen betrieben wird.
Angesichts der Selbstdarsteller ohne Fähigkeit zur Selbstreflexion die in den Anfangscastings von DSDS vor Dieter Bohlen herum hüpfen, unfähig einen geraden Ton herauszubringen und der Krassen und offensichtlichen Eingriffen in das Leben und Auftreten der Kandidaten ist es nicht verwunderlich, dass das Format „Castingshow“ in den letzten Jahren deutlich an Ansehen gelitten hat.
Weder die ausstrahlenden TV-Sender, noch die Sängerinnen und Sänger tun sich damit einen Gefallen.
Nun soviel zur allgemeinen Meinung über Castingshows.
Als ich die Werbung für „The Voice of Germany“ zum ersten Mal sah, war mir klar: „Here we go again“. Mich verwunderte allerdings die exzellente Auswahl der Jurymitglieder wie Xavier Naidoo und Rea Garvey. Wenn ein so erfolgreicher und meiner Meinung nach fantastischer Musiker wie Xavier Naidoo diese Show unterstützt, dann kann sie ja nicht sooooo schlecht sein. Oder?
Die Blind Auditions
Also schaute ich mir als engagierte angehende Medienwissenschaftlerin die so genannten „Blind Auditions“ an und war positiv überrascht, denn die Teilnehmer wurden bereits im Vorhinein „ausgesiebt“ und nur ein geringer Teil wurde überhaupt zu den ersten Shows eingeladen. Dementsprechend ist auch die Qualität der Stimmen. Diese sogenannten „blind auditions” verteilten sich über mehrere Tage und wurden jeweils abwechselnd auf ProSieben und Sat1 übertragen.
Wieso blind? Die Jury sieht den Kandidaten nicht, sondern hört ihn nur und wenn es ihnen gefällt, buzzern sie, dürfen sich umdrehen und der Kandidat darf sich im besten Fall entscheiden, mit welchem Coach er in Zukunft arbeiten möchte. Drehen sich alle Coaches um, hat der Kandidat die Qual der Wahl, Team Xavier, Team Nena, Team Bosshoss oder Team Rea.
Kein Anbiedern der Kandidaten, sondern die Coaches müssen miteinander um die Gunst der Künstler kämpfen um das bestmögliche Team zusammen zu stellen.
Auffällig sind die vielen professionellen Sänger mit einer entsprechenden Gesangsausbildung und Bühnenerfahrung, die das Niveau enorm steigern.
16 Plätze hat jeder der Coaches in seinem Team frei, mit denen er in die Battles geht.
Nach der ersten Ausstrahlung der blind auditions, war „The Voice of Germany“ schon Gegenstand diverser Unterhaltungen und bei Facebook summierten sich Kommentare und Posts mit dem Tenor: „WOW, endlich mal eine Castingshow die einen nicht vor Fremdscharm umschalten lässt“
Ganz meine Meinung. Trotzdem war ich noch skeptisch.
Die Battles
In den Battles geht es darum, die Sänger paarweise gegeneinander antreten zu lassen, um die Zahl der Teammitglieder zu dezimieren. Nicht die Zuschauer entscheiden über Sieg oder Niederlage, sondern die Coaches, was pubertäres Teenie Geschwärme und somit eine Verschiebung der Kriteriengewichtung vermeidet. Noch.
Aus 16 Kandidaten werden 8 und die Favoriten kristallisieren sich heraus. So bezeichnet Xavier Naidoo seinen Schützling Rüdiger als die „Stimme des Universums“ und spätestens in den Battles wird klar: Das hier ist etwas ganz ganz anderes. Ich bin überrascht.
Natürlich muss auch hier an den Profit gedacht werden, und so wird das obligatorische „TheVoice of Germany“ – Magazin angepriesen bevor es in die Werbung geht. Naja es sei Ihnen verziehen.
Am Ende eine ansehnliche Auswahl von wirklich talentierten Sängerinnen und Sängern.
Die Liveshows
Es geht in die Liveshows. Nun kommt doch der Zuschauer zum Zug. Von 8 Kandidaten pro Team können nur sechs in die nächste Show kommen. Zwei Kandidaten werden von den Zuschauern per Telefon bestimmt und zwei vom Coach.
„The Voice“ ist in aller Munde und nicht nur Teenies gucken die Show, sondern auch gestandene Männer und Frauen verbringen ihre Donnerstag- und Freitagabende vor dem Fernseher um sich Auftritte mit Gänsehautgarantie von Percival und Co anzuhören.
Hier wird gnadenlos ausgesiebt und natürlich kochen die Emotionen hoch. Auch „die Stimme des Universums“ muss gehen. Obwohl die Stimmen fast alle richtig gut sind, dämpft die teilweise schlechte Songauswahl der Coaches und Tonprobleme die Qualität der Auftritte. Schade!
Trotzdem ist „The Voice“ breits jetzt die erfolgreichste Castingshow in deutschen Fernehen. Zurecht! Die Live-Show auf Sat.1 punktete vergangenen Freitag um 20.15 Uhr in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit 2,82 Millionen Zuschauern (23,7 Prozent).
Das Erfolgsrezept des „The Voice of germany“ – Phänomens ist eine gute Mischung aus
Qualitativ guten bis sehr guten Stimmen und erfrischende kleine Fights zwischen den authentischen Coaches wer das beste Team hat.
Ich bin gespannt auf die nächsten Sendungen!