Wenn nichts mehr geht…

Gerd Altmann / pixelio.de

Es war, als würde sich eine dunkle Wolke über mich schieben, eine schwarze Decke, die mich vollkommen umfing. Ich konnte nicht mehr richtig atmen, nicht mehr richtig denken. Dann fing das Zittern an, ein Heulkrampf schüttelte mich. Gerade saß ich noch über den Büchern für die nächste Hausarbeit und plötzlich fiel ich in dieses unendlich tiefe Loch. Ich fühlte mich hilflos, konnte mir nicht erklären, was mit mir passierte.

Später würde Felix (Name redaktionell geändert) wissen: es war Stress. Das tägliche Pensum aus Lehrveranstaltungen, Arbeiten gehen und bis in die Nacht lernen, machte sich bemerkbar. Körper und Geist waren überlastet.

Wenig Zeit, viele Prüfungen

Er ist ein ehrgeiziger Student, stellt an sich selbst hohe Anforderungen und hat klare Karrierevorstellungen. Das straffe Bachelorsystem, mit den ständigen Leistungsnachweisen, Referaten, Essays, Vorträgen, Klausuren und Hausarbeiten tut da sein übriges. Der Leistungsdruck ist enorm, will man zu den Besten gehören. Schnell werden da die ersten Anzeichen übersehen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, fehlende Konzentration. Normal, scheint es zunächst. Studieren ist eben nicht immer nur Kaffee trinken, auf der Hofgartenwiese liegen und abends auf die nächste Studentenparty gehen. Denn im Bachelor gibt es auch einen Zeitplan, der eingehalten werden will. Drei Jahre Zeit, um alle Module und Prüfungen zu schaffen, natürlich mit möglichst guten Noten. Da kann es doch schon einmal stressig werden, oder? Das dachte auch Felix, bis er seinen ersten Zusammenbruch erlitt. Danach stand fest: Es musste sich etwas ändern.

Beratungsangebot der Uni Bonn

Hilfe fand Felix schließlich bei der kostenlosen psychotherapeutischen Beratungsstelle der Uni Bonn. Hier kann mit einem kurzen Anruf ein Termin zum Einzel- oder Gruppengespräch vereinbart werden. Denn oftmals hilft schon das Sprechen mit einem Außenstehenden über Schwierigkeiten, Ängste und Sorgen weiter. Die Überwindung sich selbst und anderen einzugestehen, dass es so nicht weiter gehen kann, ist zu Beginn am schwersten, erzählt Felix weiter. Man muss die Scham über die eigenen Probleme zu sprechen, überwinden.

Projekt Nightline

Felix ist kein Einzelfall. Ein Burnout im Studium, Stress und Überlastung kommen bei vielen Studenten vor, manche sprechen darüber, manche nicht. Eine Möglichkeit sich die drückende Last von der Seele zu reden, bieten nicht nur die offiziellen Beratungsstellen an den Unis. Ein weiteres Projekt, das Hilfe verspricht, ist die Nightline. Es ist ein Zuhörer- und Informationstelefon von Studenten für Studenten. Nightline daher, weil abends angerufen wird, meist zwischen 21 und 2 Uhr. Gegründet wurde das Zuhörertelefon bereits 1995, in Heidelberg. 2007 und 2009 kamen die Städte Dresden, Freiburg, Münster und Köln hinzu. Die Nightliner sind geschult, wissen wann sie zuhören und wann sie selbst sprechen müssen. Und mit einem Studenten zu reden, fällt Vielen oftmals leichter als mit Mitarbeitern der Uni. Der Anruf bei der Nightline ist anonym. Gesprochen wird über alles, von der Angst die nächste Prüfung nicht zu bestehen bis hin zu Beziehungsproblemen.

Und reden hilft – weiß auch Felix mittlerweile und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

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