Männliche, katholische Studenten gesucht

Verbindungshaus (Foto Nico O., privat)

Verbindungshaus (Foto Nico O., privat)

Wer in Bonn auf Wohnungssuche geht, wird diesen Satz des Öfteren lesen. Es handelt sich hierbei um preisgünstige Wohnungsangebote hinter denen in den meisten Fällen Studentenverbindungen stecken, die auf der Suche nach neuen Mitgliedern sind. Bonn ist eine der traditionsreichsten Städte, was das Verbindungsleben angeht. In der Bundesstadt gibt es ca. 53 verschiedene Verbindungen. Die Bandbreite reicht von Katholischen Verbindungen über Corps, Burschenschaften und Turnerschaften bis hin zu Damenverbindungen.

Sind es die günstigen Wohngelegenheiten die Studenten dazu veranlassen Mitglieder in einer Verbindung zu werden? Und warum sind viele Verbindungen heutzutage so in Verruf geraten? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und haben Nico Oberholthaus, als Mitglied der katholischen Studentenverbindung W.K.St.V. Unitas-Salia, befragt.

LeOn Bonn: Nico, vielen Dank zunächst, dass Du dir die Zeit genommen hast, uns einige Fragen über Deine Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung zu beantworten. Du bist jetzt bereits seit einigen Jahren Mitglied der katholischen Studentenverbindung W.K.St.V. Unitas-Salia, aus welchem Grund bist Du in eine Studentenverbindung eingetreten?

Nico Oberholthaus (Foto: Nico O., privat)

Nico Oberholthaus (Foto: Nico O., privat)

Nico O.: Es gibt verschiedene Gründe, aber der Hauptgrund war, dass ich schon zu Schulzeiten einen Freund hatte, der ebenfalls Mitglied in einer Verbindung in einer anderen Stadt war und mir durchweg Positives berichtet hat. Ein anderer Grund ist sicherlich, dass man in einem Verbindungshaus relativ günstig (ca. 100,- Euro unter dem Marktpreis) wohnen kann. Wenn man in ein Verbindungshaus einzieht, muss man auch nicht gleich Mitglied in der Verbindung werden. Man ist zunächst nur Gast und wohnt dort bis zu ein Semester lang zur Probe. Man kann sich die Verbindung also erst einmal ansehen und geht keinerlei Verpflichtungen ein. Spätestens am Ende dieses „Probesemesters“ muss man sich dann entscheiden ob man in die Verbindung eintreten möchte oder nicht. Darüber hinaus habe ich natürlich gehört, dass man als Mitglied einer Verbindung schnell neue Leute aus den verschiedensten Fachbereichen kennen lernt.

LeOnBonn: Warum hast Du dich gerade für die Verbindung W.K.St.V. Unitas Salia entschieden?

Nico O.: Als ich nach Bonn gekommen bin, habe ich mir mehrere Verbindungen angeschaut. Hierbei habe ich gleich festgestellt, dass es verschiedene Typen von Verbindungen gibt. Da ich persönlich viel im katholischen Jugendbereich gemacht habe, z.B. als Messdiener oder im Rahmen verschiedener Ferienaktivitäten, war für mich direkt klar, dass ich mich für eine katholische Studentenverbindung entscheiden werde. Der ausschlaggebende Punkt, warum es letztendlich die W.K.St.V. Unitas-Salia geworden ist, war der persönliche Kontakt mit den Verbindungsmitgliedern. Als ich mir das Zimmer dort angeschaut habe, hat das „Menschliche“ gleich gepasst.

LeOnBonn: Häufig werden die Begriffe Verbindung und Burschenschaft synonym verwendet, was genau ist der Unterschied zwischen einer Verbindung und einer Burschenschaft und kann die W.K.St.V. Unitas-Salia als eine Burschenschaft bezeichnet werden?

Nico O.: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Burschenschaften in einer ganz anderen Zeit entstanden sind als die katholischen Studentenverbindungen. Damals war Deutschland ja ein Flickenteppich von Kleinstaaten und die Burschenschaften haben sich dafür eingesetzt, dass das Ganze zusammenwächst (Wartburgfest, Hambacher Fest). Demnach stand und steht heute immer noch das Nationale bei den Burschenschaften im Vordergrund. Heutzutage hat das Nationale natürlich eher einen schlechten Ruf, da man gleich an Nationalsozialismus denkt, aber in dieser Zeit sind die Burschenschaft entstanden. Die meisten Burschenschaft sind schlagend, das heißt dass man als Mitglied mehrere Partien fechten muss, die sogenannte Mensur. Wobei es auch Ausnahmen gibt wie den Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften, die sind farbentragend, aber nichtschlagend. Farbentragend bedeutet, dass die Mitglieder ein Band und eine Mütze mit den Farben der Verbindung tragen, um somit ihre enge Verbundenheit mit der Verbindung zum Ausdruck zu bringen. Unsere Verbindung ist keine Burschenschaft und der Hauptunterschied besteht darin, dass wir nichtschlagend und nichtfarbentragend sind. Bei uns steht nicht das Nationale, sondern das Katholische im Mittelpunkt. Jede Studentenverbindung hat gewisse Prinzipien, die bei uns Virtus (Tugend), Scientia (Wissenschaft) und Amicita (Freundschaft) lauten. Bei den Burschenschaften hingegen taucht meistens der Begriff Patria (Vaterland) auf.

LeOnBonn: Welchen Mitgliedsstatus hast Du momentan in Deiner Verbindung und was sind Deine Aufgaben?

Nico O. : Ich bin momentan aktives Vollmitglied. Als Vollmitglieder dürfen wir z.B. entscheiden wer in die Verbindung aufgenommen wird. Da ich allerdings gerade kurz vor meinem Examen stehe, habe ich zur Zeit kein bestimmtes Amt. Ich gehe dennoch regelmäßig zu den Veranstaltungen und bringe mich in die Diskussionen ein.

LeOnBonn: Wohnst Du denn immer noch hier auf dem Verbindungshaus?

Nico O.: Ich habe hier vom ersten bis zum sechsten Semester gewohnt und hatte eine sehr schöne Zeit. Obwohl es bei uns keine Mietbegrenzung – wie es bei anderen Verbindungen der Fall ist – gibt, wollte ich dennoch einen neuen Schritt gehen und bin in eine WG außerhalb des Verbindungshauses gezogen. Ich bin der Meinung, dass man während seiner Studentenzeit auch einmal etwas anderes gesehen haben muss. Ich wollte etwas Abstand von der Verbindung bekommen um das Ganze auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

LeOnBonn: Kannst Du uns auch einige Nachteile nennen die eine Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung mit sich bringt?

Nico O.: Ich denke ein Nachteil ist, dass das Ganze schon ziemlich viel Zeit erfordert. Wenn man sich für eine Mitgliedschaft entscheidet, sollte man schon einplanen, dass man natürlich regelmäßig Veranstaltungen besucht und hin und wieder mal in andere Städte fährt. Beispielsweise haben wir immer einmal pro Semester eine bundesweite Versammlung, wo wichtige Sachen innerhalb des Verbandes entschieden werden.

LeOnBonn: Und siehst Du das Lebensbundprinzip, also die Tatsache, dass Du die Verbindung in Zukunft stets finanziell unterstützen wirst, nicht als Nachteil an?

Nico O.: Das Lebensbundprinzip finde ich eigentlich einen der interessantesten Punkte einer Verbindung. Man bekommt die Möglichkeit Kontakt zu Leuten aus unterschiedlichsten Generationen aufzubauen, die auch studiert haben und ähnliche Interessen haben. Zum finanziellen: Ich vergleiche das immer gerne mit dem Generationenvertrag, Stichwort Rente. Auch das BAföG System ist ähnlich aufgebaut. Wir als Studenten wohnen momentan relativ günstig und viele Veranstaltungen werden von den sogenannten alten Herren finanziert. Aber wenn wir später im Berufsleben sind, werden wir mit einem jährlichen Beitrag die Studenten unterstützen. Darüber hinaus kann man als Mitglied jederzeit in die Stadt wo man studiert hat zurückkehren und hat einen Fixpunkt. Einmal im Jahr findet beispielsweise auch das Stiftungsfest statt, wo sämtliche Generationen für ein Wochenende zusammen kommen.

LeOnBonn: Eure Verbindung ist eine reine Männerverbindung, warum nehmt Ihr keine Frauen in Eure Verbindung auf?

Nico O.: Generell muss man sagen, dass unser Verband schon sehr fortschrittlich ist. Wir erlauben zwar keine gemischten Verbindungen, aber wir sind der einzige katholische Studentenverband, der seit den 90er Jahren für katholische Damenverbindungen geöffnet wurde. Es gab damals große Diskussionen ob es gemischte Vereine geben soll oder ob man überhaupt Frauenverbindungen aufnimmt. Das ist natürlich stark von der 68er Bewegung geprägt gewesen. Für uns persönlich kann ich nur sagen, dass unsere Verbindung am Anfang eine reine katholische Theologenverbindung war und erst später wurde sie für alle Fakultäten und auch für andere Christen geöffnet und in den 90er Jahren kamen dann die Damen als eigene Verbindung (hier in Bonn z.B. die Unitas Clara-Schumann) hinzu. Ich persönlich finde es sinnvoll, dass wir zwei getrennte Verbindungen sind und nicht in einem Haus zusammen wohnen. Wir besuchen uns zwar gegenseitig auf den Veranstaltungen, aber das Leben ist so wie wir es führen einfacher und es hat etwas Besonderes. Man kann es vergleichen mit Sportvereinen. Wenn Frauen unter sich sind, verhalten die sich anders als in der Anwesenheit von Männern und genauso ist es wenn Männer unter sich sind.

LeOnBonn: Häufig ist die Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung negativ behaftet (zahlreiche Partys mit hohem Alkoholkonsum, Ausländerfeindlichkeit, Vernachlässigung des Studiums, etc.).
Wie stehst Du zu diesen Vorurteilen?

Nico O.: Grundsätzlich empfehle ich den Leuten immer sich näher mit dem Thema     auseinanderzusetzen, z.B. mal zu einer Veranstaltung bzw. einem Vortrag einer Verbindung zu gehen. Generell sind Verbindungen relativ offen und man kann bei jeder Verbindung das Programm im Internet einsehen und ist auch bei jeder Veranstaltung, bis auf die sogenannten Convente, wo mitunter Entscheidungen über Mitglieder getroffen werden, willkommen. Vorurteile gibt es ja in jedem Umfeld und das Verbindungswesen ist natürlich ein ganz spezielles. Ich habe auch schon Erlebnisse gehabt, die diese ganzen Vorurteile perfekt unterstreichen, beispielsweise im Umgang mit anderen Verbindungen. Für uns würde ich allerdings sagen, dass diese Vorurteile nicht stimmen. Auf unseren Partys, die wir einmal im Semester veranstalten, wird nicht mehr Alkohol konsumiert als auf anderen Studentenpartys und den Erlös der Partys setzen wir zum größten Teil für soziale Projekte ein. Es gibt sicherlich auch in Bonn ein oder zwei Verbindungen die stark am rechten Rand sind, was das Politische angeht, allerdings wissen wir natürlich auch wo die Unterschiede zu unserer Verbindung sind. Die Nationalität spielt bei uns keine Rolle. Wir haben auch spanische oder bulgarische Mitglieder, das Wichtige ist nur, dass sie sich mit dem christlichen Glauben identifizieren können.

Das Interview führte Inga Bruckmann

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