Buchtipp: „Deutsch für junge Profis “ von Wolf Schneider

Foto: BirgitH / pixelio

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„Wir trafen Jesus in der Mittagspause kurz vor der Kreuzigung.“ Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt sicherlich, welchem grandiosen Journalisten das unmögliche Kunststück gelungen ist Jesus im Jahr 2011 zu einem Interview zu treffen und was dieser erste Satz eigentlich mit dem angekündigten Buchtipp zu tun hat.

„Wir trafen Jesus in der Mittagspause kurz vor der Kreuzigung.“ So begann ein Artikel im Stern, der über ein Passionsspiel in Florida berichtete. “Feurig beginnen!“ fordert Wolf Schneider in seinem neuesten Buch junge schreibinteressierte Leser auf. In „Deutsch für junge Profis – Wie man gut und lebendig schreibt“ steht dieser Satz als Paradebeispiel für einen gelungenen Einstieg. In den berühmten ersten zwanzig Sekunden entscheide sich der Leser, ob der Text es wert sei, weitergelesen zu werden oder nicht.

Mit gutem Beispiel voran

Was Sie schreiben, ist Ihre Sache – aber wie Sie es formulieren sollten, damit es die Chance hat, beachtet zu werden, zu wirken, vielleicht sogar Sympathie zu stiften: Das lässt sich lernen.“

Dieses Versprechen gibt der Autor seinen Lesern zu Beginn und setzt es mit 32 darauffolgenden Rezepten für einen guten und lebendigen Schreibstil direkt in die Tat um. Da Schneider nicht nur Sachbuchautor und Sprachkritiker ist, sondern auch viele Jahre journalistische Erfahrung vorweisen kann, verzichtet er auf das bloße „Sagen-wie-man-es-machen-soll“ und geht in seinem Buch mit besten Beispiel voran.  Anschaulich und verständlich, punktgenau pointiert und vor allem witzig führt er seinem Leser die hohe Kunst einer guten und lebendigen Schreibe vor.

Krampfhafte Synonyme und andere Sprachsünden

Schöne  und ärgerliche Redundanzen, krampfhafte Synonyme, tanzende Verben und schlanke Sätze – scharfzüngig und humorvoll zeigt Schneider, was man beim Schreiben alles falsch machen kann und wie es eigentlich sein sollte. Ebenso hilfreich wie unterhaltsam sind die vielen Beispiele, die zeigen, was man lieber nicht schreiben sollte und wann ein Satz bzw. ein Text besonders gut gelungen ist.

Im Kapitel 9 „Lasst Verben tanzen“ warnt Schneider beispielsweise vor bürokratischen Verben, akademischen Imponiervokabeln  und abscheulichen Nominalkonstruktionen. Um das ganze etwas anschaulicher zu machen, bekommt der Leser folgenden Satz vorgesetzt: „Im Mittelpunkt stehen drei Problemkreise: die technische Realisierbarkeit neuer Kommunikationsmittel in ihrer jeweiligen Relation zur wirtschaftlichen Praktikabilität und zur kundenseitigen Akzeptanz.“ Mal ehrlich, wer liest so einen Satz gerne und kann danach noch sagen, was eigentlich gemeint ist? Eben. Niemand.

Schneiders Verbesserungsvorschlag: „Der Kongress will für die neuen Medien klären, was die Technik kann, was die Wirtschaft will und was die Kunden mögen.“ Aha. So ist das gemeint.

Gelbe und rote Karten

Der „Sprachpapst“ verteilt stilsicher gelbe und rote Karten für die „von Sprachfreunden als abstoßend empfundenen“ Schreibgewohnheiten und gänzlich falsch benutzte Wörter. So wird der Begriff „für etwas sorgen“, im Sinne von „fürsorglich handeln“, nicht selten in völlig falschem Kontext verwendet. In den Nachrichten heißt es dann: „Glatteis sorgt für Unfälle“ oder „Erdbeben in Ecuador sorgt für 20.000 Obdachlose“. Die Bedeutung des Begriffes wird hier offenbar gänzlich missverstanden.

Außerdem zeigt Schneider, der als Ausbilder an mehreren Journalistenschulen tätig ist, seinen jungen Lesern, was sie im digitalen Zeitalter beachten müssen. Denn auch und gerade die neuen Formen der Kommunikation – E-Mails, Blogs und Twitter – stellen neue Herausforderungen an Schreiber und Texter.

Fazit: Absolut empfehlenswert

„Deutsch für junge Profis“ ist nichts für Einfach-drauflos-Schreiber, sondern richtet sich an diejenigen unter uns, die gerne und überlegt schreiben, an ihrer Ausdrucksweise feilen möchten oder einfach unsere Sprache lieben. Für all diejenigen, die sich nicht mehr zu den „jungen Profis“ zählen, sei an dieser Stelle gesagt, dass „Deutsch für Profis: Wege zum guten Stil“ von Wolf Schneider ebenso empfehlenswert ist und dem Ratgeber für die junge Generation in nichts nachsteht.

Und wer jetzt immer noch liest und gespannt ist auf weitere hilfreiche Schreibtipps, dem wird ein Blick in Schneiders Buch an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Die Anderen sind sicherlich enttäuscht, dass Jesus doch kein Interview gegeben hat.

"Deutsch für junge Profis - Wie man gut und lebendig schreibt" - Wolf Schneider (Foto: Sarah Keßler)

"Deutsch für junge Profis - Wie man gut und lebendig schreibt" - Wolf Schneider (Foto: Sarah Keßler)

"Deutsch für Profis - Wege zum guten Stil" - Wolf Schneider (Foto: Sarah Keßler)

"Deutsch für Profis - Wege zum guten Stil" - Wolf Schneider (Foto: Sarah Keßler)

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