Bonn(e) Chance – Welche Zukunft hat die Bundesstadt?

WDR 5 Stadtgespräch in Bonn

Foto: Birgit Korte

Vergangenen Mittwoch fanden sich Politiker, Funktionäre und Bürger der Stadt Bonn im Haus der Geschichte ein, um im Rahmen des WDR 5 Stadtgesprächs über die Zukunft der Bundesstadt zu diskutieren. Doch nicht nur Bonn als Bundesstadt war Thema, sondern auch Bonn die Beethoven-Stadt, Bonn das Wirtschaftszentrum und Bonn der Wissenschaftsstandort.

Die Bürger Bonns scheinen Interesse an der Zukunft ihrer Stadt zu haben. Der Saal ist voll, es müssen noch Stuhlreihen angebaut werden. Vorne tummeln sich Fotografen und die geladenen Gäste: Jürgen Nimptsch (Oberbürgermeister der Stadt Bonn), Monika Wulf-Mathies (Vorsitzende des Vereins Fest.Spiel.Haus.Freunde e.V.), Michael Swoboda (Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg) und Prof. Hans Walter Hütter (Präsident der Stifung Haus der Geschichte), sowie die beiden Moderatoren des WDR 5, Judith Schulte-Loh und Lothar Lenz. Nach ein paar einleitenden Worten der Moderatorin geht es auch schon los mit dem leidenschaftlichen Diskurs um die Bundesstadt.

Bundesstadt Bonn

Heute, 20 Jahre nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin, haben noch immer sechs Ministerien den Erstsitz in Bonn, ganz zu schweigen von den Zweitsitzen anderer Ministerien. Bonn sei nach wie vor „ein Schaufenster der Republik insgesamt“, so Prof. Hütter. 20 Jahre Bundesstadt sind eine lange Zeit. Würde Bonn den Umzug der restlichen Ministerien verkraften? „Nein“, meint Michael Swoboda, „es geht uns ja deswegen so gut, weil es so ist wie es ist. Wir haben in Bonn ja allein 8000-9000 Beschäftigte in den Bundesministerien. Das ist schon eine Menge Holz über das wir da reden und wenn das erste Ministerium geht, dann haben wir den Domino-Effekt.“ Ein Totalumzug nach Berlin trüge Kosten von 5 Milliarden Euro mit sich, die Pendelei hingegen kostet 10 Millionen jährlich. Swoboda erhält Unterstützung aus dem Publikum. Was sei mit Telefon- und Videokonferenzen? Zur heutigen Zeit doch eigentlich kein Problem mehr. Oberbürgermeister Nimptsch bringt die Diskussion um den Umzug auf den Punkt: „Da darf man eine Region nicht vor vollendete Tatsachen stellen, da muss man reden.“ Ob ein Ergebnis in Aussicht ist, weiß man nicht. Das Bonn/Berlin-Gesetz gibt zumindest Swoboda und seinen Anhängern Recht.

Universitätsstadt Bonn

Oberbürgermeister Nimptsch im Gespräch

Oberbürgermeister Nimptsch im Gespräch / Foto: Birgit Korte

Im Laufe der letzten Jahre hat sich Bonn auch als Wissenschaftsstandort etabliert. Sowohl die Universität als auch die FH sind sehr erfolgreich, es wurden Forschungseinrichtungen neu angesiedelt, die Wissenschaftsregion wurde unter anderem durch Geld der insgesamt 1,5 Milliarden Euro Ausgleichszahlungen ausgebaut. Sebastian Otto, Student und ebenfalls im Publikum, ist erst kürzlich zugezogen und fühlt sich relativ wohl in Bonn: „Ich denke als Standort kann Bonn auf jeden Fall attraktiv sein, sicher“. Problematisch wird es dann allerdings bei den Mietpreisen. „Schwer zu kriegen und über die Maßen teuer“, beschreibt der Student seine Erfahrungen mit der Wohnungssuche. Dies sei allerdings kein Bonn-spezifisches Problem, so Hütter, das könne man bundesweit feststellen. Das ändere jedoch nichts daran, dass Bonn Entwicklungsbedarf bei preisgünstigen Wohnungen habe, argumentiert Oberbürgermeister Nimptsch. Er hat auch noch eine gute Nachricht für die Studentenschaft: Nächstes Jahr soll ein „äußerst attraktives Wohnquartier für Studenten“ in Bau gehen.

Beethoven-Stadt Bonn

Beethovenhalle Bonn

Beethovenhalle Bonn (Foto: Torsten Born / pixelio.de)

Ein Thema, das die Bürger spaltet, ist die Diskussion um den Neubau eines Festspielhauses. Hierfür soll die Beethovenhalle abgerissen werden. Auf der einen Seite stehen die Anhänger der Beethoven-Halle, die sich um den Abriss zu verhindern, sogar anketten würden. „Das wird schlimmer als Stuttgart 21“ zitiert Nimptsch aufgebrachte Bürger. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter eines Neubaues: „Es wäre sehr schön, wenn wir zu einem international vorzeigbaren Orchester auch eine entsprechende Halle hätten“ heißt es im Publikum. Monika Wulf-Mathies, Vorsitzende des Vereines Fest.Spiel.Haus.Freunde, kämpft für den Neubau. Beethoven sei nicht nur nationales Kulturgut, sondern habe auch internationale Streitkraft. Warum soll die Stadt nur als UN-Standort internationale Bedeutsamkeit erlangen, wenn sie das auch durch Beethoven kann?
Drei private Investoren haben sich gefunden, um den Bau mit Geldern in Höhe von 70 Millionen Euro zu finanzieren. Auch der Bund hat einer Unterstützung des Betriebes mit einer Summe von 39 Millionen Euro zugestimmt. Trotzdem, die Pläne für den Neubau sind momentan auf Eis gelegt.  „Ein solches Angebot in den Wind zu schlagen ist schwer verständlich“, so Wulf-Mathies.

Bonn(e) Chance?

Das Ergebnis der Podiumsdiskussion lässt zu wünschen übrig. Viele Themen wurden angesprochen, diskutiert und wieder fallen gelassen. Eine Antwort auf die Titelfrage „Welche Zukunft hat die Bundesstadt?“ gibt es nicht. Dennoch – die Bürger zeigen Interesse und sind sich der Geschichte ihrer Stadt bewusst. Und in welcher anderen Stadt hört man schon Beethovens Klavierkonzerte anstelle von langweiligem Warteschleifen-Gedudel, wenn man bei der Stadt anruft? In diesem Sinne: Bonne Chance, Bonn. Toi toi toi.

Das WDR 5 Stadtgespräch gibt es hier in voller Länger zum Nachhören.

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