Mi coche es su coche – Warum teilen auch beim Auto so schön sein kann

Thorben Wengert / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Ungeduldige Suche auf dem IKEA-Parkplatz. „Wie sieht nochmal mein Auto aus?“. Nächste Frage: „Wo ist eigentlich der Knopf für den Kofferraum?“. Nein, die Autorin dieses Artikels leidet nicht an krankhafter Vergesslichkeit, sie ist Carsharing-Nutzerin. Denn beim Carsharing hat man zwar theoretisch sein eigenes Auto, es kann jedoch passieren, dass es jedes Mal ein anderes ist. Gerade dem unter notorisch knapper Kasse leidenden Studenten stellt sich oft die Frage, ob der eigene PKW noch im Budget liegt. Dagegen sprechen meist das ohnehin vorhandene Uni-Ticket, hohe Benzinpreise und Parkplatznot. Carsharing bietet zu diesem Problem eine recht überzeugende Alternative an.

So funktionierts

Das Konzept funktioniert folgendermaßen: Carsharing-Anbieter stellen an gut erreichbaren öffentlichen und privaten Parkplätzen eine gewisse Anzahl von Wagen zur Verfügung. Buchen kann man meist telefonisch, übers Internet oder auch direkt auf dem Parkplatz. Den Autoschlüssel erhält man entweder aus einem Tresor auf dem Parkplatz oder nach PIN-Eingabe im Handschuhfach der Autos. Die Mindestmietdauer schwankt zwischen 30 Minuten und einer Stunde, man zahlt pro Zeit und pro Kilometer (ca. 1,50 €/h und ca. 20 Cent/km). Abgerechnet wird elektronisch. Je nach Anbieter fallen dann noch unterschiedlich hohe Kautionen, Aufnahmegebühren und Monatsbeiträge (ca. 2-10 Euro) an. Nachts wird kulanterweise meist nur der Kilometerbetrag erhoben.

Foto: Göckler/cambio

Foto: Göckler/cambio

Vor- und Nachteile

Dass sich diese Methode nicht für jeden lohnt, ist klar: Fahrer, die gerne ihr Auto dekorieren oder als Lageraum missbrauchen, Vielfahrer und Bewohner ländlicher Gebiete sind mit einem eigenen PKW besser beraten. Auch für längere Urlaube lohnt sich Carsharing nicht.

Die Vorteile sind allerdings nicht von der Hand zu weisen: wer unter 10.000 Kilometer im Jahr fährt, spart Geld, da die sonstigen Fixkosten (Steuer, Reparatur, Versicherung, Parken) unter allen Teilnehmern aufgeteilt werden. Je nach Anlass kann dann unter verschiedenen Fahrzeugen gewählt werden: es gibt Sprinter für Umzüge, Kleinwägen und Kombis. In München und Berlin sollen sogar schon Sportwägen in die Flotte aufgenommen worden sein. Auch Elektroautos haben bereits in einigen Fuhrparks (z.B. beim Carsharing der Deutschen Bahn) ihren Platz gefunden. Auch für Umweltfreunde bietet das Konzept überzeugende Argumente: schließlich müssen durch das Teilen keine neuen Wagen angeschafft werden und durch die kurzen Stehzeiten bleiben wertvolle Flächen unblockiert.

Teilen macht Freude

Und wer hats erfunden? Natürlich wieder einmal die Schweizer: bereits im Jahr 1948 gründete sich die erste dokumentierte Carsharing-Organisation in Zürich. Deutschland musste mit dieser Entwicklung allerdings noch 40 Jahre warten, bis sich das Konzept im Jahr 1988 auch hierzulande durchsetzen konnte. Vorreiter war dabei Berlin, gefolgt von Stationen in Aachen, Bremen und Freiburg. In Deutschland wird Carsharing heute von ca.100 Carsharing-Organisationen in über 250 Städten und Gemeinden angeboten Zu den drei größten Firmen zählen dabei Stadtmobil, cambio CarSharing und Greenwheels. In Bonn steht der Anbieter Stattauto mit fünf verschiedenen Tarifklassen zur Verfügung. Eine im Februar letzten Jahres veröffentlichte Studie ergab, dass sich die Zahl der Nutzer in Deutschland in den nächsten fünf Jahren von aktuell etwa 160.000 auf 1,1 Millionen erhöhen könnte. Schon jetzt sei Deutschland der größte Carsharing-Markt in Europa.

Wer also gerne teilt und auf den Wunderbaum am Rückspiegel verzichten kann, für den ist Carsharing sicher eine preisgünstige Alternative zum eigenen Auto. Auch der Einkauf im schwedischen Möbellager dürfte dann weiter im Budget liegen.

Ein Gedanke zu “Mi coche es su coche – Warum teilen auch beim Auto so schön sein kann

  1. Nicht zu vergessen, dass es oftmals für Studenten attraktive Einstiegskonditionen geben kann, genauso für Inhaber eines Abos für Bus und Bahn!

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