Von Hunden, die die Welt retten und einem Stift der sprechen kann

„Bitte noch eine Folge!“, rufen Emma und Lotte im Einklang als das Ende einer Folge Paw Patrol naht. Man kann sie hören die Panik in ihren Stimmen, der Fernseher könne sich gleich abschalten. Da die Erwachsenen im Raum jedoch gerade in einer hitzigen Diskussion darüber stecken, wie viel Mediennutzung gut ist für Kinder, beginnt in typischer Streaming-Manier automatisch eine weitere Folge der Helfer auf vier Pfoten. Eine Zeichentrickserie über einen Jungen und sechs Hunde, die den Menschen in ihrer Stadt bei ihren Problemen helfen.

Immer nur am Wochenende dürfen die beiden Mädchen, 5 und 3 Jahre, fernsehen. Wobei „fernsehen“ hier vielleicht das falsche Wort ist. Fernsehen, wie ich es als Kind kannte, gibt es bei den beiden kaum noch. Während meine Schwestern und ich noch zu bestimmten Uhrzeiten unsere Serien schauen mussten, reicht für Emma und Lotte ein kurzer Sprachbefehl in die Fernbedienung des Amazon Fire TV Sticks und die gewünschten Inhalte erscheinen auf dem Bildschirm, können unterbrochen oder beliebig oft wiederholt werden. Uns war als Kindern klar: Wenn die Sendung vorbei ist und im Anschluss womöglich eine Sendung folgt, die nicht für Kinder geeignet ist, wird die Kiste abgeschaltet. Im Zeitalter der Streaming-Dienste können ganze Serien in einem Rutsch angeschaut werden. Mittlerweile gibt es für diese Art des „Glotzens“ sogar einen eigenen Namen: Binge Watching. Wir mussten eine Woche auf eine neue Folge warten. In diesem „Folgenrausch“ bedeutet ein Abschalten des Fernsehers für Emma und Lotte so etwas wie einen Weltuntergang. Es spielen sich regelrechte Dramen ab, Verhandlungen werden geführt. In 99% die Fälle gewinnen die Erwachsenen, dann heißt es Ohren erst einmal auf Durchzug stellen, es könnte laut werden. Haben sich die Gemüter erst einmal wieder beruhigt, suchen sich die beiden eine andere Beschäftigung an diesem Sonntagvormittag – Bücher anschauen. „Toll, das war richtig! Suche als nächstes das Rotkehlchen“, tönt es aus dem TipToi-Stift. Unsere Bücher von früher kamen ganz ohne einen sprechenden Stift aus. Da hat die Fantasie zu uns gesprochen, der ging auch nicht der Akku leer. Aber da sitzen sie nun, zeigen mit dem Stift auf Tiere im Buch und freuen sich über jeden Treffer. Mit dem Befehl „Alexa, bitte spiel‘ Bibi und Tina“, sorgt Emma noch schnell für musikalische Untermalung und ich stehe im Türrahmen und halte das Szenario mit meinem Smartphone fest, damit ich es gleich in die Familien-Gruppe senden kann, so muss ich nachher nicht erzählen, was die beiden gemacht haben.

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