Twitter-Projekt: Politische Kommunikation in 140 Zeichen

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#DFG fördert Twitterprojekt der #Uni #Bonn. Analyse von Tweets im #Wahlkampf. Es geht um Deliberation und Partizipation. http://bit.ly/Xlq8Tv

Religion und Wissenschaft – ein Thema das zieht

Im Rahmen des Dies Academicus an der Rheinischen Friedrich-Wilhems-Universität Bonn hielt Dr. Christian Hoppe einen Vortrag zu dem Thema „Gott, Geist und Gehirn: Konsequenzen der Hirnforschung für Religion und Glaube“. Der überfüllte Hörsaal ließ darauf schließen, dass die Veranstalter kaum mit einem derartigen Interesse an dem Thema gerechnet hatten.

Um 10.15 Uhr war die Veranstaltung angesetzt. Wer um 10.05 Uhr den Raum betrat bekam keinen Sitzplatz mehr. Wer jetzt noch teilnehmen wollte musste stehen. Dennoch blieben die meisten Zuhörer und hielten die Enge und die Wärme aus. Aber warum? Was hatte Dr. Hoppe Spannendes zu sagen, dass es die Leute in seinen Vortrag zog?

Beweislast auf Seiten der Religion

Aufgrund von Beobachtungen und Überprüfungen müsse man davon ausgehen, dass alle geistigen Zustände physisch im Gehirn realisiert werden, so Dr. Hoppes Ausgangsgedanke. Die These lautet folglich, dass es keine rein geistigen Zustände ohne Hirnprozesse gibt. Rein Geistiges existiert nur als Fiktion. Das impliziert nicht nur religiöse Vorstellungen, sondern auch die Vorstellung einer Seele. Diese als psi bezeichneten Phänomene sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Sie wären der Falsifikationsfall.

Es ging Dr. Hoppe nicht darum zu behaupten, dass Religion nicht „wirkt“ oder keine positiven Effekte hervorbringt. Ebenso wie die Homöopathie wirke Religion zwar, jedoch nicht auf die Weise oder aus den Gründen die sie vorgibt. Vielmehr gehe es um Placeboeffekte.

Religion und Glaube

Dr. Hoppe unterscheidet den Begriff der Religion von dem des Glaubens. Glaube sei „das Denken des Möglichen in Bezug auf Handlungen“. Nach dieser Definition gibt es viele Menschen die glauben obwohl sie nicht religiös sind. Dahinter steckt der Gedanke, dass manches Mögliche „nur durch Glauben wirklich werden“ kann.

Dieses „Mögliche“ sei im christlichen Glauben die „naheliegende Möglichkeit geschwisterlicher Liebe“. Alles laufe darauf hinaus, Gott als Vater zu verstehen und entsprechend alle Mitmenschen als Geschwister anzunehmen. Es gehe also darum dem Ideal der Liebe nachzueifern. Damit kommt er zu dem Schluss: „Der christliche Glaube ist in erster Linie geschwisterliche Existenz, nicht Religion, Magie oder Weltanschauung“. Der christliche Glaube in Form eines „Wunderglaubens“ sei jedoch nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar.

Jeder muss für sich beurteilen

Spannend waren die Gedanken und Ausführungen von Dr. Hoppe sicherlich für viele der Zuhörer. Gleichzeitig fordert das Thema heraus,  nicht nur Religion und Naturwissenschaften, sondern auch Dr.  Hoppes Ausführungen zu hinterfragen. Ist die Reduzierung des christlichen Glaubens auf Nächstenliebe angemessen? Kann man mit Dr. Hoppes Gedanken mitgehen und paranormale Phänomene wie die Seele, Gott und Wunder ausschließen, nur weil die Naturwissenschaften sie noch nicht erfasst haben? Auf den Weg zur Klärung dieser Fragen muss sich jeder selber machen. Und wer weiß: Vielleicht schafft es ja doch noch jemand psi zu belegen. Unsere menschlichen, knallharten Überzeugungen wurden in der Geschichte immerhin zu genüge revidiert, korrigiert und widerlegt.

Die Frage nach dem Sein

Die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Religion bleibt ein spannendes Thema. Es geht an die Grundfesten unserer menschlichen Existenz und Überzeugungen. Wir sehen uns mit den Wurzeln unserer Kultur und unseres Seins konfrontiert. Vermutlich einer der Gründe für einen überfüllten Hörsaal. Denn jeder muss seine eigene Antwort auf die grundlegenden Lebensfragen finden. Die Frage nach Glaube und Religion gehört dazu.

Der Vortrag regte zum Nachdenken an. Zum Hinterfragen. Zum über den Tellerrand schauen. Und auch dazu nicht alles zu schlucken, was der Vortragende sagt. Sondern selbst zu prüfen. Der Dies Academicus – in vielerlei Hinsicht eine Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern.